Kellers Tagebuchseiten

Ausschnitt einer Tagebuchseite und Siegel von Pfr. Andreas Keller
 

Die Tagebücher von Pfarrer Andreas Keller

Alte Schätze neu zugänglich gemacht

Haben Sie vom Schinken-Skandal von Agasul gehört? Wussten Sie, dass Ottiker einst als Kanoniere das Schloss Kyburg verteidigten? Dass Napoleons Offiziere dem Illnauer Pfarrer den Weinkeller leerten – und russische Kosaken vor Hunger auf unseren Feldern nach verdorbenen Resten suchten?

Solche Szenen – mal heiter, mal erschütternd – begegnen uns in den Tagebüchern von Andreas Keller (1765–1835): Pfarrer in Illnau, wacher Beobachter seiner Zeit und aufmerksamer Chronist einer Epoche im Umbruch. Die Originale werden heute im Stadtarchiv Schaffhausen aufbewahrt.

Keller schrieb über den Alltag im Pfarrhaus, über seine Gemeinde, über Glaubensfragen und persönliche Sorgen. Zugleich hielt er fest, wie grosse geschichtliche Umbrüche bis nach Illnau, Ottikon, Agasul, Kyburg, Rikon und in die umliegende Region hineinwirkten: Kriegszeiten, politische Spannungen, Hungerjahre, fremde Truppen, kirchliche Veränderungen und gesellschaftliche Konflikte.

So sind für uns seine Tagebücher ein Fenster in eine vergangene Welt – und zugleich zu einem Spiegel für Fragen, die bis heute aktuell geblieben sind: Was trägt in unsicheren Zeiten? Wie lebt eine Kirchgemeinde in Umbrüchen? Warum gibt es verschiedene Frömmigkeitsrichtungen auch in der reformierten Kirche?

 

Warum diese Tagebuchseiten lesenswert sind

In Andreas Kellers Aufzeichnungen begegnet uns Geschichte nah und anschaulich. Es geht nicht nur um grosse Ereignisse, sondern auch um Menschen, Orte und Geschichten aus unserer Region.

Wer in der Region Illnau-Effretikon lebt, entdeckt beim Lesen viele vertraute Namen und Orte. Zugleich öffnet sich der Blick auf eine Zeit, in der unsere Kirchgemeinde, unsere Dörfer und unsere reformierte Tradition stark geprägt wurden.

Die Texte sind mal heiter, mal erschütternd, mal fromm, mal sehr direkt. Gerade das macht sie so lebendig.

 


Die Texte online lesen

Die Originale der Tagebücher werden im Stadtarchiv Schaffhausen aufbewahrt. Da sie handschriftlich verfasst und in alter Schrift geschrieben sind, sind sie für heutige Leserinnen und Leser nur schwer zugänglich.

Darum stellen wir hier zwei digitale Fassungen zur Verfügung:

 

Neu bearbeitete und erläuterte Ausgabe

Diese Ausgabe macht ausgewählte Tagebuchauszüge neu zugänglich. Grundlage ist die Veröffentlichung von 1935 durch Gottfried Keller, Pfarrer am Münster Schaffhausen und Urenkel von Andreas Keller. Die Texte wurden digitalisiert, bearbeitet, gegliedert und mit Erläuterungen versehen.

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Historische Ausgabe von 1935

Diese Ausgabe zeigt, wie die Tagebuchauszüge damals veröffentlicht wurden. Sie ist ein wichtiges Zeugnis der Rezeptionsgeschichte und macht sichtbar, wie Andreas Keller vor rund 90 Jahren gelesen und vermittelt wurde.

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Rückblick: Veranstaltungen 2026

Im Jahr 2026 haben wir die Tagebücher von Pfarrer Andreas Keller auf verschiedene Weise neu entdeckt.


Zwei Lesungen und Präsentationen

Bei zwei öffentlichen Veranstaltungen im Mai 2026 im Ref. Rebbuckzentrum wurden ausgewählte Texte aus den Tagebüchern gelesen und eingeordnet. Die Schauspielerin und Sprecherin Andrea Jost brachte Keller mit ihrer Lesung eindrücklich zum Klingen. Susanne John rahmte die Anlässe musikalisch. Pfr. David Scherler führte in die Hintergründe ein.

Die Anlässe machten deutlich: Andreas Keller ist nicht nur eine historische Figur. Seine Beobachtungen, seine Kämpfe und seine geistlichen Fragen berühren auch heutige Leserinnen und Leser.

 

Zwei Exkursionen ins Stadtarchiv Schaffhausen

Im Juli 2026 fanden zwei Exkursionen ins Stadtarchiv Schaffhausen statt. Dort konnten die Teilnehmenden Einblick in Originale der Tagebücher nehmen und mehr über die Aufbewahrung, Erschliessung und Bedeutung dieser Quellen erfahren.

Die Führungen wurden von Mitarbeitenden des Stadtarchivs mit grosser Fachkompetenz und viel Engagement gestaltet. Für die Teilnehmenden war es ein besonderer Moment, die handschriftlichen Tagebuchseiten von Andreas Keller im Original zu sehen.

Im Anschluss an die Führungen bestand jeweils die Möglichkeit zum gemeinsamen Essen und Austausch.

Hier können Sie den Flyer herunterladen: 
Flyer mit den Informationen

 

Ein Schatz für unsere Gemeinde

Die Tagebücher von Andreas Keller zeigen, wie tief Geschichte, Glaube und Ortsleben miteinander verbunden sind. Sie erzählen von einer Kirchgemeinde in bewegten Zeiten – und von einem Pfarrer, der genau hinschaut, ringt, betet, deutet und schreibt.

Wir laden Sie hiermit herzlich ein, in diesen Schatz einzutauchen. 

 

Kontakt

Haben Sie Fragen zu den Tagebuchseiten von Andreas Keller oder Hinweise zu weiteren Quellen?

Sie dürfen sich dazu gerne mit Pfr. David Scherler in Verbindung setzen.